Unser erstes HR-Tech-Meetup in Berlin: "Why career standards make us unhappy and how technology can help"

Vor zwei Wochen hatte ProjectRoom im Berliner Coworking Office Mindspace zum ersten HR-Tech-Meet-up geladen. Mit Moderatorin und Gründerin Steffi Feder und Co-Founder Henryk Vogel von ProjectRoom diskutieren vier weitere Experten aus dem Personalbereich mit mehr als 25 Besuchern einen ganzen Abend, warum sich Karrierestandards dringend verändern müssen, um Frust in der Arbeitswelt zu reduzieren. 

Ein zentrales Thema des Abends war außerdem, wie Technologie zu mehr Erfolg und Zufriedenheit im Recruiting beitragen kann. Mit dabei waren die Karriere-Mentorin für junge Frauen, Karin Heinzl von MentorMe, Peter Kolb von LogOn Consulting, einer intelligenten HR-Software für die Personalauswahl, Michael Benz vom HR-Start-up Whyapply und Katharina Wäschenbach Head of Culture and People Operations bei HeyCar. Wer vor dem unterschiedlichen Hintergrund der Podiumsgäste jetzt aber auf hitzige Diskussionen spekuliert, irrt sich. Denn zumindest in einem waren sich alle einig: Der CV und weitere Standards sind völlig ungeeignet, um Kandidaten und Unternehmen erfolgreich zusammenzubringen und Herausforderungen der Arbeitswelt gerecht zu werden.

Inhalte und Aufgaben statt Jobtitel und Stellenanzeigen

 

Vor allem eine Forderung wurde während der Diskussion spürbar: Unserer Arbeitswelt orientiert sich viel zu sehr an Jobtiteln und beruflichen Stationen statt an den Herausforderungen und Aufgaben einer Stelle: Kandidaten versuchen, keine Unregelmäßigkeiten im Lebenslauf aufkommen zu lassen, statt ihren Wünschen und Zielen und Fähigkeiten nachzugehen. „Gerade Berufsanfänger haben eine große Unsicherheit, viele orientieren sich am CV und wählen schlimmstenfalls sogar einen Job, weil er sich im Lebenslauf gut macht“, erklärt Recruiterin Katharina Wäschenbach.

Michael Benz von Whyapply verfolgt mit seinem Start-up deshalb einen konträren Ansatz und fragt nicht nach dem Werdegang des Kandidaten, sondern nach den Herausforderungen einer Stelle: „Wir wollen die Stellenanzeigen abschaffen. Das Unternehmen erzählt bei uns eine reale Aufgabe, die auf den Kandidaten zukommt. So sieht der Kandidat, was er wirklich machen soll." „Als Bewerberin bekomme ich nur einen schwachen Eindruck davon, was die wirklichen Inhalte und Aufgaben einer Stelle sind und was ich dort lernen und anwenden werde. Alle Stellenanzeigen sind fast gleich“, fügte eine Teilnehmerin aus dem Publikum hinzu. HR-Software-Experte Peter Kolb fasste die allgemeine Stimmung im Raum zusammen und brachte auf den Punkt, wo heute das Problem im Recruiting liegt: „Es geht aktuell nicht um den Menschen, es geht um Dokumente. Ohne Lebenslauf geht im Recruiting nichts."

Technologie kann Raum für das Wesentliche schaffen

 

„Im Jahr 2020 werden sich 50 Prozent der Stellen verändert haben oder es wird sie nicht mehr geben. Menschen benötigen Orientierung, weil sich ihr Berufsbild verändert hat“, stellte ProjectRoom Co-Founder Henryk als seine Überzeugung in den Raum. „Technologie wird zukünftig danach fragen, wie mein bisheriges Leben aussieht und nicht meine Job-Titel, sie wird fragen, was ich gestalten, erleben und lernen möchte. Unser System kann darauf basierend einen Vorschlag machen, wie es für mich weitergehen kann. Und zwar so, dass es mich glücklich macht und wirklich zu mir passt“.

 

Persönliches Mentoring und intelligente Technologie sollten zukünftig viel mehr helfen, sich in der Arbeitswelt zu orientieren. Denn intelligente Systeme können administrative Aufgaben übernehmen, eine wertfreie und neutralere Vorauswahl treffen und den persönlichen Kontakt so deutlich effektiver machen – dem Personaler bliebt mehr Zeit für den Menschen. „Technologie kann schon heute zuverlässig und ohne Vorbehalte entscheiden, wer nicht auf die Stelle passt. Und zwar jenseits von Vorurteilen wir Bild oder Alter. Der Bewerber bekommt so bereits nach wenigen Minuten eine Rückmeldung und alternative Vorschläge ohne viele Wochen auf eine Absage zu warten“, erklärte HR-Tec Experte Peter Kolb.

 

„HR und die Geschäftsleitung von Unternehmen müssen die Aufgabe annehmen, kreative und innovative Herangehensweisen beim Thema Recruiting zu implementieren und da gehört Technologie als Mittel der Effizienz und Effektivität dazu“ sagte Karin Heinzl, die mit MentorMe selbst moderne Software nutzt, um ihre Mentees mit berufserfahrenen Mentoren zu matchen. Denn Mitarbeiter brauchen Orientierung und Coaching bei der Weiterentwicklung. Viel zu häufig halte die HR stattdessen noch an administrativen Aufgaben fest, statt sich dem Menschen zuzuwenden und die gemeinsame Zusammenarbeit zu gestalten.

Bewerber sind weiter als die Unternehmen

 

Wichtig wird zukünftig auch die Frage sein, welche Werte bei der Jobsuche eine Rolle spielen. „Muss ich mich denn beim nächsten Schritt für einen einzigen Job entscheiden oder kann ich mich auch nach einem Baukasten-Prinzip mehreren Jobs und Projekten widmen?“ fragte ProjectRoom-Gründerin und Moderatorin Steffi in die Runde. „Und wie wichtig ist typische Absicherung heutzutage wirklich noch? Leute wollen etwas Sinnhaftes in ihrem Job machen“ ergänzte Karin Heinzl den Gedanken. Früher war Sicherheit und eine Karriere wichtig, heute geht es oft mehr um Selbstverwirklichung und darum, etwas zu bewegen oder zu gestalten.

 

Auf der Suche nach Antworten, setzte sich vor allem eine Meinung durch: Die Bewerber sind schon weiter als die meisten Unternehmen. Häufig fehlt es auf Seiten der Geschäftsführung an Offenheit für Veränderungen und HR-Abteilungen haben zu wenig Kapazitäten, sich auf neue Wege zu begeben. Dafür brauchen wir mehr Austausch und Ideen. Nur so kann eine Dynamik entstehen, die Bewerber und Unternehmen wieder enger zueinander bringt.

Peter Kolb: „Technologie ist kein Allheilmittel, denn wir stehen hier noch ganz am Anfang. Aber wir müssen uns jetzt damit beschäftigen, die Hochschulen und die Entwickler in den Unternehmen einbinden, damit wir alle lernen können, wie wir Technologie gewinnbringend einsetzen.“

Nächstes Meet-up geplant

 

Beim ersten Tech-Meet-up wurden viele Themen angeschnitten und viele Fragen gestellt, was den großen Bedarf nach Lösungen und Neuorientierung bei allen Beteiligten wie Bewerber, Unternehmen, Startups, HLer und Mitarbeitern zeigt. Unser Ziel ist, dass noch viel mehr Austausch stattfindet, um diese Fragen nach und nach zu beantworten und alle Beteiligten auf einen gemeinsamen Weg zu bringen.

 

Wegen der starken Beteiligung und zahlreichen E-Mails und Kommentaren, die uns nach dem Abend erreicht haben, ist ein weiteres Meet-up noch in diesem Jahr geplant. Eure Themenvorschläge und Fragen sind willkommen, postet gerne euren Kommentar unter den Blog-Artikel!

 

Bleibt am Ball und meldet euch in unserer Gruppe an, so dass ihr kein Termin verpasst: Hier beitreten >>

 

Danke auch an Berlin Startup Academy GTEC - German Tech Entrepreneurship Center für eure Unterstützung!

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